Radioaktive Wölfe

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Nach mehr als 25 Jahren nach dem Super-GAU sind die 3.000 Quadratkilometer rund um Tschernobyl immer noch verbotene Zone, allerdings nur für Menschen. Am Schauplatz des größten Reaktorunfalls der Geschichte ist in den letzten Jahrzehnten ein unbeabsichtigtes ökologisches Experiment abgelaufen. Riesige Rudel von Wölfen haben die Region erobert und streifen durch die Schwemmgebiete des Prypjat und die verlassenen Siedlungen.

Was einst die Kornkammer der Sowjetunion war, ist nun von riesigen Wäldern bedeckt, mit der neuen Vegetation sind Bisons, Luchse und Wölfe zurückgekehrt. Für diese Dokumentation konnte erstmals ein westliches Filmteam in die verbotene Zone vordringen und dieser spektakulären Wiederkehr der Natur nachforschen.
Regisseur Klaus Feichtenberger zeigt eine faszinierende, paradoxe Welt, die beides zugleich ist: ein Blick in die Zeit lange vor der menschlichen Zivilisation und ein Fenster in die Zukunft nach der ultimativen nuklearen Katastrophe.

Die Katastrophe nach dem Erdbeben und der Flutwelle im japanischen Atomreaktor Fukushima weckt Erinnerungen an das Reaktorunglück in Tschernobyl. Nach mehr als 25 Jahren nach dem Super-GAU regieren Wölfe das radioaktiv verseuchte Niemandsland, die Sperrzone um Tschernobyl in der Dreiländerecke zwischen der Ukraine, Russland und Weißrussland. Die „Universum“-Dokumentation „Radioaktive Wölfe“ von Klaus Feichtenberger zeigt erstmals ein umfassendes Bild der Tschernobylzone, die ein Vierteljahrhundert lang Sperrgebiet war.

Nach der Reaktorkatastrophe am 26. April 1986 wurden etwa 150 Ortschaften mit mehr als 150.000 Bewohnern evakuiert. Unbehindert durch den Menschen haben sich seither in der Zone zahlreiche Wildtierarten angesiedelt. An der Spitze des Ökosystems in dieser neuen Wildnis steht der Wolf. Abenteuerliche Gerüchte über Wölfe in der Zone gibt es seit Jahren, aber Fakten sind immer noch rar. Die prominenten Wolf-Experten Christoph und Barbara Promberger, mit entsprechenden internationalen Studien bestens vertraut, besuchten 2009 die Zone, um sich ein Bild zu machen und staunten über die anscheinend zahlreiche Präsenz von Wölfen, die hier ideale Lebensbedingungen haben.

Ebenso erstaunt waren die Prombergers darüber, dass bislang niemand die vielen Fragen gestellt hat, die sich sofort aufdrängten: Wie viele Wölfe gibt es in dem Gebiet? Wie kommen die Tiere mit der Radioaktivität zurecht? Sind es Zuwanderer, die früher oder später in der Zone sterben oder gibt es mittlerweile eine bodenständige Population? Wenn ja ist sie gesund und stabil? Wandern mittlerweile womöglich sogar Wölfe aus Tschernobyl in andere Gebiete aus? Wiegt die Abwesenheit des Menschen schwerer als die immer noch vorhandene radioaktive Verseuchung?

Die Prombergers erhielten von den weißrussischen und ukrainischen Behörden die Erlaubnis, ein Forschungsprojekt in Gang zu setzen, das diese Fragen beantworten soll. Ein Filmteam begleitete die beiden im Auftrag von ORF, NDR, BBC und WNET. Die Prombergers fingen und statteten die ersten Wölfe in der Zone mit Sendern aus, um Fakten über ihr Territorial- und Migrationsverhalten, den Grad der Verstrahlung und den Gesundheitszustand zu sammeln.

Während der Dreharbeiten entstand eine kollegiale Partnerschaft zwischen den Prombergers und dem Doyen der weißrussischen Raubtierforschung, Vadim Siderowitsch, Professor an der Akademie der Wissenschaften in Minsk. Vadim Siderowitsch dokumentiert seit Jahren in anderen Gebieten des Landes Wolfspopulationen und verfügt über eine Fülle wertvoller Vergleichsdaten. Unter seiner Führung übernimmt ein weißrussisches Forscherteam das von den Prombergers initiierte Tschernobyl-Wolfsprojekt.

Aus der Sicht der Wölfe von Tschernobyl wird dem TV-Publikum ein 360-Grad-Schwenk über das mittlerweile wohl wildeste Gebiet Europas geboten, das der Forscher Promberger als das größte Freiluft-Experimentallabor der Welt bezeichnet. Ist Tschernobyl ein Fenster in eine Vergangenheit vor dem Menschen? Oder in eine Zukunft nach dem Kollaps unserer Zivilisation? Das österreichisch-weißrussische Kamerateam hat mehr Zeit in der verbotenen Zone verbracht als irgendein anderes Medienteam zuvor mehr als 100 Drehtage, verteilt über ein ganzes Jahr. Außerdem waren sie das erste ausländische Filmteam, das im weißrussischen Teil der Zone gedreht hat, und es brachte nicht nur die ersten Flugaufnahmen aus der Zone seit 20 Jahren zurück, sondern auch historisches Archivmaterial, das im Westen noch nie gezeigt wurde.

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