Assam – Im Land der Bienenbäume

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Assam zählt zu den schönsten Bundesstaaten des indischen Subkontinents. Wo Tiger, Panzernashörner und Elefanten durch die tropischen Wälder streifen, ist die Natur großteils noch in Ordnung. Doch eines der aufregendsten Naturschauspiele bieten nicht die Großtiere, sondern Bienen: Assam ist die Heimat der Riesenhonigbiene, die gewaltige, von Zweigen hängende Nester auf Bäumen baut.

Österreichische Wissenschafter, unter der Leitung von Dr. Gerald Kastberger, betreiben in Zusammenarbeit mit einer indischen Universität ein großes Forschungsprojekt, um das Verhalten dieser Insekten näher zu studieren. Der preisgekrönte britische Naturfilmer Paul Reddish hat für die „Universum“-Produktion „Assam – Im Land der Bienenbäume“, die in Zusammenarbeit mit Docstar, National Geographic Television und ZDF entstand und in der deutschen Bearbeitung von Sabine Holzer zu sehen ist, die österreichischen Forscher und die Riesenhonigbienen auf ihrer jährlichen Wanderung von den Hängen des Himalaja in die Ebenen von Assam begleitet. Der Österreicher Wolfgang Thaler, der bei dem renommierten Banff Television Festival für seine Kameraarbeit für den „Universum“-Film „Bienen – Ein Leben für die Königin“ ausgezeichnet wurde, beobachtete mit Hilfe von extremen Aufnahmetechniken einen dieser Bienenbäume, auf dem Dutzende Bienennester hängen.

Die Riesenhonigbienen zählen zu den aggressivsten Tieren der Welt. Die Einheimischen fürchten sie, weil sie in Massen attackieren. Jedes Jahr sterben mehrere Menschen an den Folgen ihrer Stiche. Wer einen solchen Angriff überlebt, vergisst ihn sein Leben lang nicht. Den Massenattacken dieser Bienen auf den Grund zu gehen, ist ein Teil des Forschungsprojekts des österreichischen Wissenschafters Dr. Gerald Kastberger von der Universität Graz. Immer wieder begibt sich Kastberger in Schwindel erregende Höhen, um die Bienen aus nächster Nähe zu beobachten und Experimente durchzuführen. Für diese Dokumentation demonstriert er, wie die Bienen fünfzig Meter über dem Erdboden über die Attrappe eines Menschenkopfes herfallen. Haben einmal einige Bienen zugestochen, lockt ein Duftstoff noch mehr Bienen an, die ebenfalls zustechen und dadurch weiteren Artgenossen das Signal zum Angriff geben.

Wenn sie sich bedroht fühlen, verfolgen die Bienen ihre Opfer bis zu einen Kilometer weit. Manche Tiere profitieren allerdings von der Angriffslust der Insekten – Bienenfresser etwa. Wenn sie von einem Schwarm verfolgt werden, brauchen sie die Bienen nur aus dem Gefieder zu picken, den Stachel vom Körper zu trennen und zu verschlucken. Anhaben können ihnen die Bienen dank des dichten Federkleides kaum etwas. Die Stiche der Riesenhonigbienen sind heftiger und weit schmerzhafter als die unserer heimischen Honigbienen, und hundert Stiche reichen aus, um einen Menschen zu töten. Aber obwohl Gerald Kastberger regelmäßig gestochen wird, ist seine Faszination ungebrochen. Die Riesenhonigbienen haben ihn durch verschiedenste Verhaltensweisen in ihren Bann gezogen.

Eines der größten ungelösten Rätsel geben die Bienen den Forschern durch ihre jährliche Wanderung auf. Jedes Jahr verlassen Tausende Schwärme mit Zehntausenden Individuen ihre Heimat an den Hängen des Himalaja und ziehen südwärts. Auf ihrer Reise machen sie immer wieder Station, doch sie bilden keine Waben, und die Königin kann keine Eier legen. Während ihres wochenlangen Zuges sterben die älteren Arbeiterinnen, die Kolonie schrumpft. Schließlich erreichen die Bienen ihr Ziel in den Ebenen am Ufer des Brahmaputra, wo sie sich auf ganz bestimmten, Jahr für Jahr gleichen Bäumen niederlassen. Für Menschen sehen diese Bienenbäume aus wie gewöhnliche Bäume, doch die Riesenhonigbienen finden immer wieder zu denselben Bäumen zurück. Binnen weniger Tage können sich mehr als 100 Kolonien auf einem einzigen Bienenbaum niederlassen.

Für Gerald Kastberger und seine Forscherkollegen, die die Bienen seit Jahren studieren, gibt es noch immer eine Menge unbeantworteter Fragen: Etwa was an diesen Bäumen so besonders ist, oder warum sich Dutzende Schwärme auf einige wenige Bäume konzentrieren. Das größte Geheimnis jedoch ist, wie die Bienen diese Bäume finden. Sie sind mehr als 160 Kilometer von ihrer Heimat entfernt, und die Arbeiterinnen waren nie zuvor hier, denn sie leben nur wenige Wochen. Die Königinnen sind die einzigen Individuen, die bereits im Vorjahr im Land der Bienenbäume waren, aber sie führen den Schwarm nicht an. Rätsel um Rätsel also, die es für die Wissenschafter noch zu lösen gilt.

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