Krieg, Waffen und Drogen

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Wenn man die Verbreitung von Drogen, aber auch die Struktur ihrer Verteilung in der Bevölkerung untersucht, ist schnell klar, dass Drogen immer mit Waffen und Waffenhandel verbunden sind. Wo Drogen in großem Stil hergestellt oder verkauft werden, herrscht Krieg. Ganz gleich, ob es sich um Afghanistan handelt oder um Mexiko. Der Zusammenhang von Waffen und Drogen erscheint oberflächlich. Doch es steckt tatsächlich mehr dahinter.

Wer seinen Blick auf die Spuren der Drogen richtet wird schnell erkennen, dass Krieg und Drogen untrennbar zusammenhängen. Es gibt keinen Krieg in der Moderne, in dem nicht auch in hohem Maße Drogen beteiligt waren. Dies gilt auch für den Ersten Weltkrieg.

Die systematische Verteilung an Soldaten, vor allem aber die Entwicklung neuer Drogen, wurde allerdings erst von den Nazis im Zweiten Weltkrieg weiter „perfektioniert“. Nach Kriegsende macht die Entwicklung jedoch keineswegs halt: Denn an den Zweiten Weltkrieg schlossen sich unmittelbar geheime Operationen wie das „Unternehmen Artischocke“ an, die im Verborgenen die Menschenexperimente der Konzentrationslager weiterführten.

Die Forschungen gehen immer weiter, als die Experimente des CIA, die in der Nähe von Frankfurt am Main – und vermutlich nicht nur da – durchgeführt wurden, zu offenkundig wurden, verlagerte man den „Rechts- und Experimentierraum“ in die USA. Klar ist, dass auch andere Armeen und Geheimdienste im Verborgenen, und meist im Bereich der Illegalität, forschten. Über diese Forschung an leistungssteigernden Substanzen, aber auch an sogenannten Wahrheitsdrogen oder Stoffen, die für Folter und zur Ausschaltung feindlicher Truppen eingesetzt werden können, drang und dringt wenig Information an die Öffentlichkeit. Klar ist, dass es keinen modernen Krieg ohne Einsatz von Drogen gibt. Auch in Zukunft nicht. Drogen sind zu einem elementaren Bestandteil moderner Kriege geworden.

So wie man an der Perfektionierung von Waffen arbeitet, so arbeitet man auch an der Perfektionierung der Drogen. Entsprechend eng ist die Verbindung von Pharmaindustrie und Militär, die für beide Seiten lukrativ ist. In dem Maße, indem „Neuro-Enhancement“ oder Gehirndoping als gesellschaftlicher Normalfall betrachtet wird, werden die Übergänge zwischen der militärischen und der zivilen Anwendung von Drogen durchlässiger. Was auf dem zivilen Markt nutzt, kann auch dem Militär dienen – und umgekehrt. Denn: Warum nicht in der Schule, bei der Arbeit, in der Freizeit einen Stoff zu sich nehmen, der die Leistungsfähigkeit steigert?

Was spricht eigentlich dagegen? Natürlich geht es dem Militär nicht um bewusstseinserweiterende Erfahrungen seiner Soldaten. Es geht um ein besseres, angstfreieres, schnelleres und vor allem lange andauerndes, hoch konzentriertes und effizienteres Handeln im Kampf. Wenn sich das erreichen lässt, warum sollte man es dann nicht versuchen? Warum beispielsweise sollte man nach einem Kampfeinsatz nicht gezielt Präparate einnehmen, die dazu führen, dass die Erinnerung an das, was man gerade an Grauenhaftem erlebt hat, sich nicht im Gedächtnis festsetzt, wo es sich möglicherweise zu einer posttraumatischen Belastungsstörung auswachsen kann?

Diese und andere Fragen sind mit weitreichenden ethischen, aber auch juristischen Problemen verbunden, um die es in der Sendung gehen soll. Mir liegt daran den Blick zu schärfen für diese und andere Vorgänge, die sich direkt unter der Oberfläche der öffentlichen Wahrnehmung ereignen und von denen behauptet wird, sie seinen in ihrer Notwendigkeit unaufhaltsam. Ist das tatsächlich so? Was ist der Preis, den nicht nur die Soldaten, sondern wir alle im zivilen Leben dafür bezahlen?

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