Die große Samwer-Show – Die Milliarden-Geschäfte der Zalando-Boys



Schlagzeilen machen sie immer wieder: Mal sollen sie eine eigene Bank planen, dann wieder ihre Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet an die Börse bringen. Und dabei ist zuvörderst Zalando, der Online-Versandhändler für Schuhe und Mode, mit ihrem Namen verbunden. Wie die deutschen Unternehmerbrüder Oliver, Marc und Alexander Samwer als Internet-Investoren agieren, zeigen die Recherchen von Frontal21 und der WirtschaftsWoche.

Frontal21 und die WirtschaftsWoche haben hinter den Kulissen des Samwer-Kosmos recherchiert und fragen: Wie laufen die Geschäfte bei Deutschlands größten Start-up-Unternehmen? Dafür erhielten sie Zugang zum Rocket Internet-Konzern und bekamen außerdem weltweit als erstes TV-Team ein Interview mit Oliver Samwer. Wie er mit seinen Brüdern rasant und aggressiv die Internet-Welt erobert hat und das Konsumverhalten der Deutschen radikal verändern will, beleuchtet die Dokumentation. Die Samwers stecken nicht nur hinter Zalando, sondern auch hinter Westwing und Home24. Und in diesem Herbst soll nun der milliardenschwere Gang an die Börse folgen – erst mit Zalando, wenig später mit Rocket Internet, der größten Start-up-Werkstatt Europas.

„Schrei vor Glück – oder schick es zurück“ – mit diesem Slogan schaffte Zalando innerhalb weniger Jahre den Sprung in den Olymp der deutschen Online-Versandhäuser. Aggressive Werbung gilt als einer der Hauptgründe für Zalandos Erfolg. Jetzt belegen die Recherchen von Frontal21 und der WirtschaftsWoche, dass auch der Staat den Online-Händler großzügiger unterstützt als bisher bekannt war – mit insgesamt 35 Millionen Euro. „Es ist eine skrupellose Abstauberei von Subventionen“, so Prof. Rudolf Hickel von der Universität Bremen gegenüber Frontal21.

Auch wegen des rasanten Aufstiegs von Zalando gehen die Umsätze bei vielen Einzelhändlern zurück. Gerade der mittelständische Handel habe noch keine Lösung gefunden, mit dem Konkurrenten aus dem Netz umzugehen, so Prof. Jörg Funder von der Hochschule Worms. Während viele Boutiquen und Schuhläden mit dem Überleben kämpfen, plant Zalando wohl noch diesen Herbst den Börsengang. Milliardengeschäfte – auch dank Millionen vom Steuerzahler.

Zalando ist bisher der größte Coup von Oliver Samwer. Er ist einer der reichsten Deutschen, doch kaum bekannt. Seine Geschäfte aber kennen Millionen. Inzwischen beschäftigt er als Vorstandsvorsitzender der Rocket Internet AG weltweit nach eigenen Angaben rund 20.000 Mitarbeiter – mehr als Karstadt. Nun soll Rocket Internet an die Börse, laut Finanzkreisen voraussichtlich an den unregulierten Markt in Frankfurt. Frontal21 führte das weltweit erste Fernseh-Interview mit Oliver Samwer. Er ist der mittlere von drei Brüdern aus Köln: Marc, Oliver und Alexander Samwer. Groß wurden sie mit dem ebay-Klon alando und dem Klingeltonanbieter Jamba. Heute beherrschen sie das Internetgeschäft in Deutschland, sind Multimillionäre. Ihr derzeit größtes Baby: Rocket Internet mit Sitz in Berlin.

Ob Mode, Lebensmittel oder Möbel – bei Rocket Internet-Firmen kann man online fast alles bestellen – sogar Reinigungskräfte. Das Unternehmen ist hauptsächlich ein sogenannter Internet-Inkubator, der Start-ups auf den Weg bringt. Zu den Firmen, die unter dem Dach von Rocket Internet aufgebaut wurden, gehört auch der Modeversender Zalando und das Online-Möbelhaus Home24.

Derzeit gehören zum Portfolio über 70 Unternehmen, die in Europa, Asien, Afrika und Südamerika aktiv sind. Das Imperium liefert Speisen in Afrika, Schuhe in Russland, Kosmetik in Amerika. Dabei unterscheidet sich das Samwer-Imperium von den amerikanischen Giganten der digitalen Wirtschaft wie Apple oder Google: Rocket Internet ist nicht etwa für Innovationen bekannt – sondern für das Klonen von Geschäftsideen berüchtigt. Die Samwers kopieren Ideen, die sich auf dem Markt bereits bewährt haben. So wird das Risiko minimiert. „Die Samwers kopieren schon sehr, sehr dreist“, so Joel Kaczmarek, langjähriger Beobachter der Startup-Szene und Herausgeber des Branchenmagazins „Gründerszene“: „Vom Logo über Namen bis hin zum Webseiten-Aufbau.“ Oliver Samwer zeigt im Interview wenig Verständnis für Kritik am Klonen – legt aber Wert darauf, noch nie Daten geklaut zu haben.

Nun soll die Klonfabrik der Samwers an die Börse, voraussichtlich noch in diesem Herbst. Noch vorher soll die AG nach Informationen von Frontal21 und der WirtschaftsWoche in eine europäische Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Ein Börsengang soll frisches Geld in die Kassen von Rocket Internet spülen – das Klima dafür ist derzeit gut. Ein Unternehmenssprecher wollte das nicht kommentieren.

Das Firmen-Geflecht der Samwer-Brüder ist jedoch für Außenstehende kaum zu durchschauen. Nach Recherchen von Frontal21 und WirtschaftsWoche besteht es aus rund 1500 Beteiligungen, angesiedelt auch an steuerbegünstigten Orten wie im amerikanischen Delaware oder in Luxemburg. Oliver Samwer bestätigt das im Interview.

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