Der Coca-Cola Check



Für Kinder ist es der Reiz des Verbotenen, für Erwachsene vielleicht die Illusion von Hipness und Lebensfreude: Eine Doku widmet sich der Frage, wie der Coca-Cola-Konzern zu seinem Markenimage kommt und auf wessen Kosten.

Der riesige Panzerschrank, hinter dem das Geheimnis von Coca-Cola lagert, würde Dagobert Duck vor Neid erblassen lassen. Er enthält zwar kein Bares, dafür aber das ultimative Erfolgsrezept für sprudelnde Gewinne. Und das im wörtlichen Sinne: In dem Tresor bewahrt Coca-Cola die Rezeptur für das Getränk auf, das ein Apotheker vor 125 Jahren erfand und das, mit 1,8 Milliarden produzierten Getränken täglich, weltweit zum Kultgebräu Nummer eins werden sollte.

Fast müßig zu erwähnen, dass auch der ARD-„Markencheck“ das Geheimnis um die Coca-Cola-Rezeptur nicht zu lüften vermag. Dem Fernsehzuschauer ist nicht mehr als ein kurzer Blick auf den Tresor mit dem Heiligtum des Milliardenkonzerns vergönnt. Und von den zwei geheimen Konzentraten, die Cola zu mehr machen als ein Gemisch aus Zucker und Wasser, bekommt er lediglich zwei Edelstahlbehälter mit den mysteriösen Aufschriften „CC Teil 1“ und „CC Teil 2“ zu sehen.

Coca-Cola weiß seinen Mythos eben zu inszenieren. Die Doku nimmt unter die Lupe, woher es kommt, dieses Image des Geheimnisvollen und vor allem angeblich Unverwechselbaren, das der Getränkegigant seit Jahrzehnten vor sich herträgt. Schließlich behaupten Cola-Trinker jeden Alters, sie könnten den Geschmack einer „echten“ Coca-Cola von einem Konkurrenzprodukt unterscheiden und Nachahmer gibt es mittlerweile ja unzählige.

Der nicht-repräsentative Praxistest unter 100 Passanten in der Dortmunder Innenstadt beweist indes, dass das in Wirklichkeit doch nicht ganz so leicht fällt. Ohnehin ist der Geschmack des Getränks, wenn es nach den Autoren geht, beileibe nicht die einzige Ursache für den Erfolg des Brausekonzerns. Eine mindestens ebenso wichtige Zutat ist die clevere Werbestrategie.

Um zu veranschaulichen, wie sehr die Marke Coca-Cola die Konsumenten beeinflusst, legen die Dokumentarfilmer 15 Probanden aufs Kreuz: Sie servieren ihnen Cola aus unterschiedlichen Behältern, jeweils verbunden mit der Einblendung von unterschiedlichen Markenlogos inklusive No-Name-Produkten. Prompt attestieren die meisten demjenigen Getränk den besten Geschmack, zu dem das Coca-Cola-Logo eingeblendet wurde. Dumm nur: In sämtlichen Behältern war eine identische Mischung aus „Original“-Cola und Nachahmerprodukten aus dem Supermarkt enthalten. So viel zum Thema Einzigartigkeit.

Neben der Geschmacksfrage nimmt die TV-Doku auch das Gesundheitsrisiko der schwarzen Brause unter die Lupe. Das Ergebnis fällt alles in allem wenig überraschend aus: eine Menge Koffein (aber weitaus weniger als in Kaffee), zu viel Zucker, zu viel Säure. Doch es gibt auch Dinge zu lernen, die viele noch nicht gewusst haben dürften: etwa, welche anderen bekannten Getränke, über 70 Marken sind es insgesamt, noch zu dem Gewinn der Coca-Cola Company von zuletzt umgerechnet acht Milliarden Euro beitragen; wie viel Coca-Cola an einer Flasche des klebrigen Getränks verdient; und welche drei Länder der Erde noch immer nicht von Coca-Cola beliefert werden.

Zu guter letzt widmet sich die Doku in bewährter, thesenorientierter Manier auch einem heißen Eisen: dem Thema Fairness und zwar am Beispiel des Trinkwasserverbrauchs. In der indischen Provinz hat das Autorenteam Dorfbewohner getroffen, die in Zeiten von Dürre mit Müh und Not das Überleben ihrer Familien sichern können, während der Getränkegigant nebenan gut zwei Liter Wasser pro produziertem Liter Cola verbraucht. Immerhin: Früher seien es 2,8 Liter gewesen, wird dem Konzern zugestanden. Trotzdem machen Kritiker den US-Riesen für den rapide gesunkenen Grundwasserspiegel in der Region verantwortlich.

Wo die Durchschnittsfamilie etwa einen Euro am Tag zum Leben zur Verfügung hat und die Flasche Cola umgerechnet 40 Cent kostet, hält sich die Beliebtheit des Konzerns erwartungsgemäß in Grenzen. Zumal das Engagement für die Trinkwasserrückgewinnung und – aufbereitung, die Coca-Cola als Gegenleistung zu erbringen beteuert, bei näherem Hinsehen äußerst dürftig ausfällt. Auf 38 Millionen Euro beziffert der „Markencheck“ die weltweiten Ausgaben von Coca-Cola für Schul- oder Wasserprojekte vor Ort, im Vergleich zu 4,2 Milliarden Euro für Werbung und Marketing.

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