Jakob von Metzler – Tod eines Bankiersohns



Kaum ein Verbrechen der vergangenen Jahre hat die Nation so bewegt wie die Entführung und Ermordung des Bankiersohns Jakob von Metzler. Das Opfer: Ein elfjähriger Junge mit einnehmendem Lachen, fröhlich, aufgeweckt, beliebt bei seinen Mitschülern und Lehrern. Der Täter: Magnus Gäfgen, ein 27 Jahre alter Jurastudent kurz vor dem Examen. Ein junger Mann, der sich jahrelang in seiner katholischen Gemeinde rührend in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert hat, der als höflich und hilfsbereit galt. Wie konnte es dazu kommen, dass dieser überdurchschnittlich intelligente Student ein kleines Kind ermordet? Ein Kind, das er kannte.

Sechs Jahre nach dem Verbrechen begibt sich hr-Autor Philipp Engel auf Spurensuche. Gäfgen, der Mann aus einfachen Verhältnissen, hatte sich jahrelang vor seinen Freunden, später auch vor seiner 15 Jahre alten Freundin, als wohlhabender Student ausgegeben, der kurz vor einer großen Karriere als Staranwalt stehe. Tatsächlich war er ein durchschnittlicher Student, der sich mit Jobs über Wasser hielt und das Ersparte großspurig verprasste. Als das Geld zu Ende geht, beschließt er aus Angst vor dem gesellschaftlichen Offenbarungseid, Jakob von Metzler zu entführen, um an Geld zu kommen. Den Tod seines Opfers nimmt er dabei in Kauf.

Vor Gericht präsentiert sich Gäfgen selbstmitleidig als einer, der das eigene Verbrechen weder verstehen noch erklären kann. Als hätte das Verbrechen nichts mit ihm zu tun. Der Mord als unerklärlicher Betriebsunfall in der eigenen Biografie. Das menschlich unerklärliche Verbrechen, eine Deutung, der sich Gäfgens Anwalt Ulrich Endres ebenso anschließt, wie die geladenen Zeugen. Der Film aber zeigt, dass Gäfgen schon früh sozial auffällig war. Vor der Kamera erzählt eine Frankfurter Familie, bei der Gäfgen zehn Jahre vor dem Mord ein- und ausgegangen ist, dass der spätere Mörder schon damals psychisch schwer auffällig war. Ein verhaltensgestörter junger Mann, zwanghaft und penetrant, einer, der um Anerkennung und Hilfe bettelt. Ein Junge, der beziehungsgestört ist und sich erzwingt, was ihm das Leben nicht schenkt. Der Alarmsignale aussendet, die offensichtlich viele übersehen haben.

Neben der Frage nach dem Motiv für einen solchen Mord, beleuchtet der Film auch die sogenannte „Folterdebatte“, die dieses Verbrechen hat deutsche Rechtsgeschichte schreiben lassen. Eindringlich lotet die sensible Dokumentation das moralische Dilemma zwischen Folterverbot und Notwehr, zwischen dem rechtsstaatlichen Anspruch des Tatverdächtigen und der Rettung des Opfers aus. Zugleich macht dieser Film dort weiter, wo die Beweisaufnahme vor Gericht seinerzeit aufgehört hat.

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