Der Mörder in der Mülltonne

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Ein Kriminalfall, der sich von der Tat bis zum letzten Richterspruch über drei Jahrzehnte hingezogen hat und bis heute in dem Ort des Geschehens Bedrückung hervorruft. Jedenfalls bei denen, die sich erinnern. Am 20. April 1945, in den Wirren der „Stunde Null“, wird im saarländischen Bergmannsdorf Mittelbexbach nachts auf offener Straße ein Polizist erschossen. Während Adolf Hitler im Führerbunker in Berlin seinen letzten Geburtstag begeht, ist das Saarland schon von den Amerikanern besetzt.

Sie haben eine Militärregierung gebildet und den 44 Jahre alten Metzger Karl Klein in Mittelbexbach zum Bürgermeister ernannt. Dies und der Umstand, dass vor dem Hintergrund von Chaos und allgemeiner Auflösung an eine geordnete Ermittlung nicht zu denken war, andererseits der erschossene Polizist noch aus dem gerade zusammengebrochenen System stammte, sind Ausgangspunkte der Geschichte.

Die Amerikaner haben Wichtigeres zu tun, als den Tod eines „Nazi-Polizisten“ zu untersuchen. Die Franzosen aber, die das Saarland am 10. Juli 1945 als Besatzungsmacht übernehmen, und vor allem ihr Geheimdienst, die Sureté, sehen den Fall anders. Fünf Verdächtige, darunter Karl Klein, werden festgenommen. Einer stirbt in der Haft, angeblich Selbstmord. Zwei können ein Alibi vorweisen. Einer legt ein Geständnis ab, belastet sich selbst und als Haupttäter Karl Klein, den Bürgermeister, der die Tat bestreitet. In zweiter Instanz verurteilt der neu gebildete Strafsenat in Saarbrücken 1949 Karl Klein zum Tode und den geständigen Edmund N. zu lebenslangem Zuchthaus.

Die Saar-Regierung unter Johannes Hoffmann setzt die Todesstrafe außer Vollzug, wandelt das Urteil in „Lebenslänglich“ um. Damals, als der Strafvollzug noch „Zuchthaus“ vorsah, bedeutete dies: strenge Isolation des Gefangenen, 23 von 24 Stunden des Tages in Einzelhaft. Edmund N. kommt nach zehn Jahren frei. Karl Klein bleibt in Haft bis zum 30. Januar 1969. Dann nutzt er eine günstige Gelegenheit und lässt sich aus dem Gefängnis gewissermaßen entsorgen: in einer Mülltonne, als Schweinefutter.

Weitere vier Jahre dauert es, bis Karl Klein sein Ziel, ein Wiederaufnahmeverfahren, erreicht. Er stirbt weitere 20 Jahre später, 1993, als freier Mann im Alter von 92 Jahren. Die Dokumentation erzählt den Fall des „Mülltonnen-Ausbrechers“ über 30 Jahre hinweg, lässt dabei den einzigen noch lebenden Beteiligten von 1945 ebenso zu Wort kommen wie Vollzugsbeamte aus der JVA Saarbrücken und den Bauern, der Karl Klein in der Mülltonne aus dem Knast fuhr. Ein Film von Inge Plettenberg.

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