Das Alcatraz des Nordens – Ein Tag im Hochsicherheitsgefängnis Oldenburg



Ein stiller Flur, grünliches Neonlicht, wuchtige Eisentüren. In den Zellen dahinter die gefährlichsten Verbrecher Norddeutschlands – ein Kinderschänder, ein Polizistenmörder, ein Geiselnehmer, ein Mafiaboss, ein Ausbrecherkönig: D1, die Sicherheitsstation, ist ein Gefängnis im Gefängnis.

Die Justizvollzugsanstalt Oldenburg gilt in Deutschland als Muster-Knast: sicher, streng, sauber – eine Festung der Justiz. Zum ersten Mal durfte ein Kamerateam in dieser Haftanstalt den Alltag drehen. Hinter mehr als sieben Meter hohen Mauern und Zäunen, überwacht von 150 Kameras der Sicherheitszentrale. 330 Häftlinge leben hier nach einer eisenharten Hausordnung.

Wer sich gut führt, wird belohnt. Wer sich prügelt, Drogen nimmt oder Beamte angreift, hat am Ende nichts außer einer Stunde Hofgang, die ihm vom Gesetz her zusteht. „Konsequent und liberal“ nennt Anstaltsleiter Gerd Koop sein Konzept. Die Kamera ist dabei, wenn ein Mörder mit dem Staubsauger kommt. Pünktlich jeden Morgen um 8.15 Uhr reinigt Kurt S. (52) die Chefetage. Er hat seine Frau erstochen und vor wenigen Tagen eine lebenslange Haftstrafe angetreten. Mafia-Killer Wladimir S. lädt das Kamera-Team in seine Zelle ein.

Er ist Vorarbeiter in der Knast-Werkstatt und hat sich in der Haft das Konditor-Handwerk beigebracht. Marco, Khalid und Osman sind Untersuchungshäftlinge. Sie singen einen Rap von der Liebe im Knast und mobben gegen den Flur-Kapo Christian, weil er in seiner Zelle Brötchen und Eier bunkert und ihnen die Nudelparty vermiesen will. Die Ostfriesen Reinhold und Knut sind Edel-Häftlinge: Wegen guter Führung dürfen sie in der Sicherheitszone Gärtnern und Fegen.

Ihnen ist es zu streng in der JVA Oldenburg, aber sie sagen: „Hier lernt man, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.“ Die Kamera begleitet den Arbeitstag von Vollzugleiterin Inge Rzepucha. Die frühere Torfrau der Handball-Bundesliga hat täglich harte Konfrontationen mit Gefangenen, die Hafterleichterung beantragen oder sich beschweren wollen. Die 53-Jährige muss sich gegen pöbelnde Häftlinge durchsetzen, Verstöße gegen die Knastordnung ahnden oder einfach nur zuhören, wenn ein scheinbar hart gesottener Straftäter von seinen Ängsten und Sorgen erzählen möchte. Ungewöhnliche Einblicke in eine sonst verschlossene Welt, Bilder und Geschichten aus dem Strafvollzug – ganz nah dran an den Menschen, die Knast als Gefangene oder als Beamte bewältigen.

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