Und ewig sterben die Wälder

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Der Wald stirbt. Davon waren vor 30 Jahren fast alle Deutschen überzeugt, von der Grünen-Politikerin Petra Kelly bis zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. Auch Filmemacher Michael Miersch glaubte an die katastrophalen Fehlprognosen.

„Der Spiegel“ verkündete: „Wir stehen vor einem ökologischen Hiroshima.“ Der „Stern“ schrieb: „Die Reihen der Bäume lichten sich wie Armeen unterm Trommelfeuer.“ Und der prominente Naturschützer Hubert Weinzierl war sich sicher: „Das Sterben der Wälder wird unsere Länder stärker verändern als der Zweite Weltkrieg.“

Um herauszufinden, wie es dazu kommen konnte, besucht Miersch nun unter anderem einen Forstwissenschaftler, der damals beschimpft wurde, weil er die düsteren Prognosen für falsch hielt, und einen Medienforscher, der untersuchte, wie Journalisten das Ende des Waldes herbeischrieben. Warum seine Landsleute weniger panisch reagierten, erläutert ein französischer Historiker. Doch wie steht es heute um den Wald?

Wird er die Klimaerwärmung verkraften? In der Dokumentation stehen Wissenschaftler Rede und Antwort über den Zustand und die Zukunft der Wälder in Mitteleuropa und weltweit. Ist ein natürlicher Wald gesünder als ein Wirtschaftswald? Und tatsächlich ergeben die Recherchen, dass es im Jahre 2011 ein echtes, dramatisches Waldsterben gibt. Allerdings nicht hierzulande, sondern in Südostasien. Dort werden riesige Flächen gerodet, um Platz für Ölpalmplantagen zu schaffen. Die wiederum sollen Europa den Rohstoff für von der Politik geförderte, angeblich klimafreundliche Bio-Kraftstoffe liefern.

Um auf die besondere Verantwortung der Menschen für den Waldbestand der Erde hinzuweisen, haben die Vereinten Nationen das Jahr 2011 zum „Jahr der Wälder“ erklärt. Nachdem bereits in den 80er Jahren das Gespenst des Waldsterbens umging, entschloss sich die Politik zu Rettungsmaßnahmen durch Einführung von Katalysatoren und Entschwefelungsanlagen. Bis heute ließ sich die Katastrophe verhindern. Doch bedeuten diese Maßnahmen bereits eine Kehrtwende in der Umweltpolitik, oder sind unsere Wälder dennoch nicht zu retten? Vor allem wenn man bedenkt, dass selbst im Namen der Umwelt Waldregionen gerodet werden, zum Beispiel um Bio-Sprit herzustellen.

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2011 zum „Jahr der Wälder“ erklärt. Die weltweit rund vier Milliarden Hektar Wald – das entspricht 31 Prozent der Landfläche des Planeten – sind von elementarer Bedeutung für die globalen Wasser- und Stoffkreisläufe, das Klima und die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Außerdem haben viele Menschen eine besondere emotionale Beziehung zu Bäumen. So ist das krachende Fallen eines uralten Baumriesen ist nicht nur in Liedern zum Sinnbild der Zerstörung geworden.

Daneben steht das leise Sterben der Wälder durch Luftschadstoffe und veränderte Klimabedingungen. Bereits aus den 80er Jahren stammt das Schlagwort vom Waldsterben. Wissenschaftler, Umweltverbände und Medien entwarfen damals apokalyptische Prognosen. In der Folge setzte die Politik schnell Rauchgas-Entschwefelungsanlagen und den Katalysator für Kraftfahrzeuge durch – mit Erfolg? Die Katastrophe ist immerhin ausgeblieben.

Der Themenabend begibt sich auf Spurensuche und schildert, wie Wissenschaftler, Medien und Politiker Umweltpolitik im Spannungsfeld zwischen Fakten und Emotionen angehen. Geändert hat sich seit der Debatte um das Waldsterben auf jeden Fall die Einstellung zur Umwelt – und die Einsicht, Verantwortung ihr gegenüber zu haben. Doch fest steht auch: Entwarnung kann für den Wald nicht gegeben werden.

Die Angst vor dem Waldsterben ist kein Ökoirrtum, denn weltweit werden jede Minute Waldflächen in der Größenordnung von 35 Fußballfeldern abgeholzt. Viele fallen sogar im Namen der Ökologie, wenn mit der Produktion von Bio-Diesel versucht wird, den Klimawandel zu verhindern.

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