Auf unsichtbarer Mission



Zweieinhalb Monate lang begleitete ein Fernsehteam das russische Atom-U-Boot Severstal auf ihrer Fahrt in die Barentssee, folgte der Mannschaft durch die labyrinthischen Gänge des stählernen Kolosses, filmte die Männer an Bord und nach der Mission zu Hause in Zapadnaya Litsa. Es war das erste Mal, dass der russische Generalstab einem Fernsehteam den Zutritt zu dem U-Boot der „Typhoon-Klasse“ erlaubte.

Spätsommer 2001: In der Barentssee soll bei einer Übungsfahrt die Einsatzfähigkeit des Atom-U-Bootes Severstal unter Beweis gestellt werden. Nach einer einmonatigen Vorbereitungszeit, in der Reparaturen vorgenommen wurden und Proviant an Bord gebracht wurde, fährt das U-Boot aus dem Hafen von Zapadnaya Litsa in Richtung Barentssee. Die Severstal ist ein strategischer Unterwasserraketenträger und verfügt über 20 Waffen vom Typ SS20N, strategische Atomwaffen mit 10.000 Kilometern Reichweite. Deshalb ist die NATO während einer Fahrt der Severstal immer in Habachtstellung. 1988 gebaut, gehört die Severstal zu einem der bestgehüteten Geheimnisse der russischen Marine. Russische U-Boot-Fahrer lieben das Leben und ihren Beruf, der einer der gefährlichsten auf der Welt ist.

Sie lieben ihre Familien, aber ihre Frauen und Kinder verbringen die meiste Zeit allein. Als Helden gelten die U-Boot-Männer in Russland schon lange nicht mehr. An Bord befinden sich 200 Atomsprengköpfe, jeder einzelne mit der 100fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe. Das tägliche Risiko der Mannschaft an Bord bleibt selbst den eigenen Landsleuten weitgehend verborgen. Ihr Eid verpflichtet die Männer, in jedem beliebigen Moment auf Befehl ihre Tod bringenden Waffen einzusetzen.

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