Kloster zu verkaufen



Das Annunziakloster in Eichgraben nahe Wien wird geschlossen und verkauft, die Ordensgemeinschaft aufgelöst. Die älteste Nonne ist 99, die anderen sind nicht viel jünger. Ein halbes Leben und mehr haben sie hinter den Klostermauern verbracht. Und jetzt müssen sie raus. Die einen hierhin, die anderen dorthin. Wie reagieren die Schwestern auf diese Nachricht? Werden sie freudig den Willen Gottes darin erkennen können? Oder siegt vielleicht doch der Zweifel?

Für Regisseur Helmut Manninger war es jedenfalls ein besonderes Privileg, bei diesem Abschiedsprozess dabei sein zu dürfen. Es entstand ein berührender Film über Klosterschwestern im emotionalen Ausnahmezustand. „Loslassen! Wenn man das so oft hört, dann geht einem das schon auf die Nerven“, sagt Sr. Gertrud. Und auch Sr. Martha ist keine, die zu allem Ja und Amen sagt. Die gebürtige Tirolerin wehrt sich und will für den Fortbestand kämpfen. Vom einst gelobten Gehorsam will sie nichts wissen. „Ich hab noch nicht eingepackt, jetzt warten wir noch ein bisserl ab“, sagt die 86-Jährige – und schreibt einen SOS-Brief, diesmal an Jahrgangskollegen Papst Benedikt.

Widerstand hinter Klostermauern. Damit war Carina Spernbour schon oft konfrontiert. „Egal ob ein Bauernhof oder ein Kloster geschlossen wird. Die Menschen, die es betrifft, reagieren gleich.“ Die Psychologin und Theologin kommt als Hilfe von außen, wenn die Hilfe „von oben“ nicht ausreicht. Sie will über Zweifel und Ängste hinweghelfen – manchmal kann das auch schiefgehen. „Da geh“ ich nicht raus, bis ich tot bin!“, wurde ihr nicht erst einmal prophezeit. Und tatsächlich verzögerte sich der Klosterverkauf um Jahre. Ihre Erkenntnis: „Klosterschwestern sind auch nur Menschen!“ Kein Nachwuchs, kein Geld und kein Einzelfall. (Das Haus in) Eichgraben als Beispiel für den langsamen, aber steten Niedergang der katholischen Institution Kloster.

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