Zu Tisch in Wien



Im Winter kann es in Wien bitterkalt werden. Aber zum Glück ist Wien ja die Stadt der Kaffeehäuser. Im Winter kommen die wahren Genießer in die Stadt: die Kaffeetrinker und die Tortenliebhaber. „Zu Tisch in Wien“ schaut bei Christian Schrödel und Oliver Goetz in der kleinsten Kaffeerösterei der Stadt vorbei. In der Rösterei „Alt Wien“ werden Bohnen aus den besten Anbaugebieten der Welt verarbeitet, und es wird täglich frisch geröstet. Wenn man das kleine Geschäft betritt, bleibt einem für einen kurzen Moment die Luft weg. Der Duft von frisch gemahlenen Kaffee liegt in der Luft. Kaffeesäcke prall gefüllt mit „grünen“ Kaffeebohnen stehen in der Ecke. Große Holzschubladen mit goldenen Handgriffen bergen die verschiedenen Kaffeesorten. In der Mitte des Raums dominiert die Rösttrommel.

Christian Schrödel war früher Marketingexperte. Vor zehn Jahren hat er sich einen Lebenstraum erfüllt und den Beruf gewechselt. Der Geschmack von perfekt geröstetem Kaffee hat ihn zum Röster werden lassen. Auch Oliver Goetz, sein Geschäftspartner, ist Quereinsteiger. Er war früher Immobilienmakler. Jeden Samstag hat er seinen Espresso in der kuscheligen Kaffeerösterei getrunken. Irgendwann bot ihm Christian Schrödel an, als Partner in die Firma einzusteigen.

Oliver Goetz ist konzentriert bei der Arbeit, denn das Geheimnis des Aromas liegt vor allem in der Röstung. Dafür braucht man viel Wissen, Erfahrung und Feingefühl. Kaffeebohnen sind kleine Wunderwerke der Natur, mehr als 800 Aromastoffe schlummern in einer einzigen Bohne und wollen zum Leben erweckt werden. Die Dauer der Röstung und die Temperatur entscheiden, ob der Charakter der einzelnen Kaffeesorten optimal zur Entfaltung kommt.
Christian Schrödel und Oliver Goetz sind auch leidenschaftliche Hobbyköche und experimentieren beim Kochen auch gerne mit Kaffee. Die Entenbrust zum Beispiel bereiten sie mit Kaffeekruste zu, und aus dem traditionellen Kaiserschmarrn zaubern sie einen kaiserlichen Mokkaschmarrn.

Kaffee ohne ein Stück Torte oder Strudel ist in Wien fast undenkbar. Der dritte Mann in dieser Geschichte ist deshalb ein Zuckerbäcker. Michael Giebisch ist Perfektionist und einer der kreativsten Konditoren Wiens. Für seine Torten und Marzipanfiguren hat er sogar den Juniorweltmeistertitel bekommen. Im Fasching haben die Wiener Konditoren Hochsaison. Da steht Michael Giebisch bis zu 70 Stunden ununterbrochen auf den Beinen, um die Sachertorten für die verschiedenen Bälle zu produzieren. Natürlich hat er, wie auch jede Wiener Hausfrau, sein ganz persönliches Rezept für die Sachertorte.

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