Welcome to the 80s



Die 80er waren das Jahrzehnt der Jugendkulturen: Ob Punker, Popper, Waver, Ökos, Heavies, Grufties, Acid-Jünger oder Hip-Hop-Heads. Sie alle hatten ihren Sound und ihre Kleidungscodes. „Welcome to the Eighties“ ist die erste umfassende TV-Darstellung der musikalischen Entwicklung der 80er Jahre. Die sechsteilige Dokumentationsreihe bettet die musikhistorische Aufbereitung in den zeitgeschichtlichen Rahmen ein und erzählt so, wie wir wurden, was wir sind – wurden doch in den 80er Jahren jene popkulturellen Gleise gelegt, auf denen wir heute noch reisen. Mit „Rappers Delight“ läutet die Sugar Hill Gang die 80er Jahre ein. Mit zwei Plattenspielern und einem Mikrofon erobert der Hip-Hop die Charts. Der Breakdance beeinflusst die Welt des Tanzes ebenso wie das Graffiti die der Kunst. Was leicht und unbeschwert beginnt, entwickelt sich im Laufe des Jahrzehnts zu einer internationalen Jugend- und Protestbewegung.

Rap, Breakdance und Grafitti begibt sich in das New York der Dekadenwende und zeigt das Entstehen einer selbstbewussten, schwarzen Kultur. Afrika Bambaataas „Zulu Nation- ergreift die Seelen und liefert neuen Kunst- und Lebensformen ihren Soundtrack. Inspiriert vom antikolonialen Kampf der Zulu in Südafrika ebenso wie von den politischen und musikalischen Helden der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre spielt Afrika Bambaataa gegen Bandenkriminalität, Rassismus und die Folgen der Sklaverei an. Sein Credo: Peace, Love, Unity and Having Fun! Ganz wie beim Punk die berühmten „3 Akkorde“ zum Selbermachen animieren, gibt der Sprechgesang zum DJ-Set der Straße eine nie zuvor gehörte Stimme von Gewicht.

Die Szenen sind noch nicht klar geschieden, die Einflüsse von Kraftwerk und The Clash immens. Up- und Downtown, Kunstszenen-Schickeria und schwarzer Underground bilden eine historisch einmalige Einheit, als Graffiti erst in New York und dann weltweit seinen „Aufstand der Zeichen“ feiert und den öffentlichen Raum der reinen Kommerzialisierung wieder entreißt. In der Szene tummeln sich auch Andy Warhol und Debbie Harry von Blondie, Jean-Michel Basquiat, Grenzgänger zwischen den Welten, wird Superstar. Mit dem Breakdance erfinden die Homies auch das Tanzen neu, artistisch, mitreißend und weltweit kopiert.

Die Sugarhill Gang liefert mit „Rappers Delight“ den ersten Mega-Hit des Genres, Kurtis Blows „The Breaks“ wirkt tiefer, und „The Message“ von Grandmaster Flash definiert das Genre, bis heute gültig und unerreicht. Der neue Stil erobert unaufhaltsam die US-Kultur, selbst der harte Rapper LL Cool J wird zum Pin Up-Boy und sehnt sich nach Liebe. Seine Liebe zu Breaks and Beats entdeckt wiederum der Pariser Dee Nasty und wird zum Französischen Vater des HipHop. Run DMC avancieren zu den „Beatles des Hip Hop“ und tragen dennoch zu dessen Ausverkauf bei. Die Gründung des Def Jam-Labels sorgt für ökonomische Durchschlagskraft, während ICE T und andere den frühen Gangsta Rap erfinden und Public Enemy der Bewegung politische Schärfe verleihen: „Fight The Power!“.

Zunehmend gewinnen Louis Farrakhan und die Nation of Islam Einfluss, der Antisemitismus-Vorwurf wirft einen Schatten auf die Szene, und allmählich gerät sie immer tiefer in die Strudel politischer Großwetterlagen, Jean-Alexander Ntivyihabwa schreckt in seiner Darstellung der HipHop-Kultur der 80er Jahre auch vor solch brisanten Aspekten nicht zurück, zeigt den bis heute so einflussreichen Stil im sozioökonomischen Kontext, wirft mit Dee Nasty auch einen Blick auf die frühe, französische Rezeption, zu Zeiten also, da in Deutschland MC Torch noch allein auf weiter Flur stand.

Shares
www.area51.to