Fukushima – Reise durch ein verstörtes Land



Nach der Atomkatastrophe in Fukushima sind Daisuke Yoshida und die Reisbauern der Gegend besorgter als jemals zuvor, dass es auch dort zu einer nuklearen Tragödie kommen könnte.

„Nichts besteht in alle Ewigkeit“, zitiert der Mönch die Lehre Buddhas, „aber genau das ist es, was unsere Politiker und die Ingenieure der Atomkraftwerke uns weismachen wollen. Sie behaupten, die AKWs halten für immer und ewig und wollen einfach nicht sehen, wie gefährlich das ist.“ Seit der Katastrophe von Fukushima ist immer wieder die Rede von Japan als einer Gesellschaft, die geprägt ist von einem blinden Glauben an Technologie – auch an die Atomenergie.

Doch der Mönch Daisuke Yoshida steht nicht allein. Auch wenn sie oft nicht gehört wurden: Japan hat eine lange Tradition von AKW-Gegnern. Filmautor Uri Schneider machte sich im Auftrag des SWR deshalb auf eine Reise von Nagasaki nach Kyoto und von Hiroshima nach Fukushima, um die geteilte Stimmungslage der Nation zu erforschen.

Von den Überlebenden der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki kam in den 60er-Jahren der erste Widerstand gegen Japans neue Atomindustrie. Damals glaubten noch viele den Argumenten von Regierung und Atomlobby, die Physik der Kernkraft sei eine andere als die der Atombombe. Heute ziehen die Menschen an den Gedenkstätten für die Opfer der Atombomben dagegen Parallelen zwischen Hiroshima und Fukushima.

In Nagasaki trifft das SWR-Team eine interkonfessionelle Gruppe von Buddhisten, Shintoisten und Christen, die seit Jahrzehnten für eine Welt ohne Atombomben beten – heute, nach Fukushima, auch für eine Welt ohne Atomenergie. In Tokyo, auf einer 60.000 Menschen starken Demonstration gegen Atomkraft begegnet Uri Schneider den Mönchen des „Japanischen Netzwerks für engagierte Buddhisten“. „In Japan, einem Erdbebengebiet, AKWs zu bauen“, sagt uns der Mönch Takao Takeda, „ist, als baue man AKWs auf Pudding.“

Dieser Meinung ist auch die Schauspielerin Kaori Kanda, die in der japanischen Tradition des Geschichtenerzählens auf Bühnen im ganzen Land das „Tschernobyl- Gebet“ vorträgt, eine Warnung, die nach Fukushima mehr denn je gehört wird. Den Abschluss der Reise bilden schließlich in der Provinz Fukushima Begegnungen mit Mitgliedern der Gemeinde des Pfarrers Etsuya Kataoka, auch sie erklärte Atomkraftgegner. Ihren langen Kampf für ein atomfreies Japan, meinen diese Christen, habe Gott ihnen zur Aufgabe gemacht. Heute mehr denn je.

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