Die Meerfrauen von Japan

DIESE DOKU IST ZUR ZEIT NICHT VERFÜGBAR


„Ama“ nennen sie sich, Frauen des Meeres. Bis ins hohe Alter holen sie kostbare Meeresfrüchte vom Grund des Ozeans, trotzen der Tiefe nur mit der Kraft ihres Atems. Ihre Haut ist von Wind und Wasser gegerbt, ihre Stimme tief und laut. Seit Jahrzehnten teilen sich neun Frauen von der japanischen Halbinsel Shima ihr Schicksal auf einem Boot und sind dabei zu einer eigenen engen Meeres-Familie zusammengewachsen. Kazu Yamamoto ist mit ihren knapp 80 Jahren die Älteste der Gruppe, eine Ama in fünfter Generation. Ans Aufhören denkt sie längst noch nicht: „Im Meer kann ich meinen Körper besser fühlen und bewegen als an Land. Einmal im Wasser, verschwinden alle Schmerzen, auch der Rücken tut mir plötzlich nicht mehr weh“, erzählt Kazu Yamamoto. 360° – GEO-Reportage taucht in die geschlossene Welt einer Gruppe von Ama ein.

Seit Jahrhunderten ist das Tauchen nach Meeresfrüchten in Japan die Arbeit von Frauen. Manchmal hat das Wasser nur zwölf Grad, wenn die Ama – die Frauen des Meeres – in die Wellen verschwinden, um Meeresschnecken, Muscheln, Seeigel, Algen und insbesondere Awabi, die kostbaren Seeohren, aus der Tiefe zu holen. Ohne Pressluftflaschen, mit primitiven Masken und Flossen sowie in traditionelle weiße Überanzüge mit Kopftuch gehüllt, stoßen die Meeresfrauen in die Tiefe hinab, um mit einem Meißel die Schnecken von den Felsen zu lösen. Schon manch eine Ama ist dabei Opfer ihres Berufes geworden, denn nicht die technische Ausrüstung, sondern das eigene Geschick entscheidet über den Erfolg – und das Überleben.

Lange galten die gut verdienenden Taucherinnen unter den Männern als „guter Fang-. Heute haben die Frauen entlang der Küsten bessere Chancen, auch in anderen Berufen Karriere zu machen. Das Durchschnittsalter der Ama ist inzwischen auf 60 Jahre gestiegen. Doch eine Ama zu sein, ist weitaus mehr als ein Beruf. Ihre Hoffnung, dass die Ama-Tradition nicht ausstirbt, sieht die fast 80-jährige Kazu Yamamoto, die immer noch arbeitet, in der jüngsten Ama der Gruppe, Satomy Yamamoto. Satomy ist in ihrem dritten Tauchjahr und wird bald genug Erfahrung haben, um sich stolz Ama nennen zu können. Doch dafür muss sie den Sprung ins tiefere Wasser schaffen.

Shares
www.nydus.org