Überleben im zerbombten Deutschland



„Wie fühlt sich Hunger an?“ wiederholt der Mann mit dem schütteren Haar die Frage, überlegt und scheint in eine lang zurückliegende Vergangenheit zu blicken, bevor er sagt: „Da wird Ihnen nichts mehr ekelig und Sie greifen bei allem zu, was Ihnen in die Finger kommt.“ Die Zitate in der ARD-Dokumentation „Hungerwinter – Überleben im zerbombten Deutschland“ zeigen, wie tief sich die Erinnerungen an den Nachkriegswinter 1946/47 vor nunmehr 60 Jahren eingebrannt haben.

Und wie nah sie auch heute noch gehen. Viele Zeitzeugen, heute Männer und Frauen weit im Rentneralter, erlebten den Schrecken als Kinder oder wie jener junge Mann, der nicht wusste, wie er seine Familie vor dem Verhungern bewahren sollte. Die Städte zerstört, die Verbindungen zwischen West und Ost gekappt, die Infrastruktur nur noch in Bruchstücken vorhanden.

Millionen Menschen irren durch die Besatzungszonen. Bereits im Herbst 1946 deutet sich die Tragödie an, heute wird in solchen Zusammenhängen von humanitären Katastrophen gesprochen: Die Ernte fällt verheerend aus und würde ohnehin nicht zur Versorgung von Bevölkerung und Besatzungskräften ausreichen. Dass die Temperaturen in diesem Winter auf minus 29 Grad zurückgehen, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand. So sehr sich die Schicksale in diesem Hungerwinter auch glichen, so erinnert der Film auch an die Unterschiede.

Daran, dass Briten und Amerikaner im Westen mit Hilfslieferungen das Schlimmste zu verhindern suchten, während die Menschen in der Sowjet-Zone auf sich allein gestellt waren, auch als der Winter ging, denn die Kälte veränderte nur ihre Gestalt: es begann der Kalte Krieg und mit ihm die Spaltung Deutschlands.

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